Montag, 17. November 2008

The city of luurve... 14.-16. November 2008

... Paris that is. Und da war ich drei Tage. Nicht wegen l’amour sondern ‚le patinage‘.
Wer es nicht weiss, seit Mitte der 90er bin ich treuer Fan des Eiskunstlaufsports - naja, mal mehr mal weniger enthusiastisch. Zeit und Geld spielen ne Rolle, accessibility und die Leistungen der Läufer ansich – einige Jahre lang gab es wenige Athleten die mich besonders begeistert haben nachdem meine Favourites alle ins sogenannte Profilager abgewandert waren, also habe ich den Sport eher sporadisch und nur im TV/ online verfolgt... Aber in letzter Zeit wird‘s wieder besser (siehe auch Blog entry hier)!
Live dabei war ich bereits 1997 (Grand Prix Finale, München), 2000 (EM, Wien), 2001 (Sparkassen Cup, Gelsenkirchen), 2002 (EM Lausanne) und 2004 (WM, Dortmund - aber da nur bei zwei Kür Events) und ab und an bei diversen Schaulaufen (Silvester Gala in Garmisch, Stars on Ice in Regensburg) aber auf die steh ich nicht wirklich, da fehlt irgendwie die Spannung.
Wie auch immer, seit ich in England bin wollte ich schon immer mal zum Grand Prix in Paris wegen der guten Anbindung – dieses Jahr hat es also geklappt. Und da die Wettbewerbe nur Fr und Sa nachmittag und abend stattfinden (zur Gala/Exhibition gehe ich wie gesagt nicht und die ist auch am teuersten von allem) bliebe auch noch etwas Zeit zum sightseeing.
Der Wettbewerb in Paris findet statt im Palais Omnisports in Bercy und heisst Trophée Eric Bompard (wie die Cashmere Pullis, ehemals Trophée Lalique – wie das Glas). Es ist einer von sechs Wettbewerben die den alljährlichen Eiskunstlauf Grand Prix darstellen. Die Eiskunstläufer suchen sich 2 oder 3 Wettbewerbe aus bzw werden zu diesen eingladen wenn sie nicht im eigenen Land stattfinden, und wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat kommt ins Finale. Dieses findet jedes Jahr woanders statt, dieses Jahr in Seoul in Korea. Die anderen Grand Prix Wettbewerbe (in der Reihenfolge ihrer Austragung) sind: Skate America, Skate Canada, Cup of China, Cup of Russia und NHK Trophy (Japan).
Übernachtet habe ich ziemlich günstig im (britischen, lol) St Christopher Hostel was ganz neu ist und nur wenige Metro-Stationen vom Gare du Nord. Eigentlich hatte ich ein 6-bed female dorm gebucht aber wurde dann in ein 10er gesteckt, was sie mir netterweise erst bei Ankunft mitteilten. Naja, etwas billiger war es dadurch und die 9 Amerikanerinnen waren ganz unterhaltsam...
Nach der Ankunft im Hostel am Fr gegen mittag hatte ich noch ein paar Stunden bevor es bei der Trophee EB losging und wanderte ein bisschen durch Paris – im Stadtteil Marais (3. Arrondissement) gab es schicke Stadthäuser und Privatschulen zu sehen sowie das Centre Pompidou mit Platz davor und den Skulpturenbrunnen von Jean Tinguely und Niki de St Phalle. Im 4. Arrondissement (auch Marais) gab es das Hotel de Ville (Rathaus) zu sehen und die Ille de la cité mit Notre Dame und weiteren typischen Stadthäusern entlang der Seine bzw des Kanals.
Am nachmittag ging es zur Eishalle und dem Kurzprogramm der Herren, Paare, Damen und dem Originaltanz (den ich mir aber gespart habe da es doch ein langer Tag war mit Zug-Abfahrt um 7.30 und 5.30 aus dem Haus...). War schonmal nicht schlecht, ich traf ein paar Deutsche aus dem Eiskunstlauf-Internetforum und entdeckte auf der anderen Seite der Halle (dank Fernglas) zwei Fotografen die ich von früher/ aus München kannte... leider mussten sie die ganze Zeit arbeiten so dass wir uns nicht treffen konnten sondern nur SMS austauschen.
Samstag war der Tag ähnlich aufgeteilt. Nach Frühstück im Hotel (all you can eat baguette und cornflakes) ging es nach Montmartre bevor dort die Touristenmassen auftauchten - hatte mir ein paar Orte von der „Amelie-Tour“ rausgesucht - manche waren echt schwer zu finden! Dabei waren der Gemüseladen von Monsieur Colignon und das Cafe de deux moulins in dem Amelie arbeitet. Noch bei Sacre Cour vorbeigeschaut mit Aussicht auf Paris, dann ging es weiter zum Eifelturm, muss ja doch irgendwie sein, und am Ende des langegezogenen Parks vor dem Eifelturm (Parc du Champs de Mars) ergaben sich noch interessante Fotoperspektiven an der Le mur de la paix (Friedensmauer), sowie ein Blick auf die Militärschule.
Dann musste ich auch schon wieder raus nach Bercy um die Kürporgramme zu sehen. Auf dem Weg noch Baguette und Käse besorgt, naturellement! Wurde ein langer nachmittag/abend...
Zunächst die Herren – nachdem der deutsche Läufer, Peter Liebers, ein ganz gutes Kurzprogamm abgeliefert hatte, gab es auch in der Kür nur wenige Patzer und insgesamt eine gute Leistung für den newcomer. Der Favorit und Lokalmatador, amtierender Vizeweltmeister Brian Joubert, hatte bereits im Kurzprogramm mit aufgerissener Sprungkombi und anderen Fehlern verwundert und auch die Kür war nicht fehlerlos, so dass er am ende nur 4. wurde. Sein Landsmann Alban Preaubert dagegen begeisterte mit wenig Fehlern und Freude am Laufen und sicherte sich die Bronzemedaille – das französische Publikum machte ordentlich Stimmung (Gruss an den Fan mit der Fussballtroete direkt hinter mir, mir klingeln jetzt noch die Ohren...). Stars des Abends waren die bereits im Kurzprogamm positiv aufgefallenen jungen Läufer aus Kanada und Japan, die, wenn auch nicht fehlerlos wie im KP, Silber und Bronze abräumten. V.a. Patrick Chan der Kanadier hinterliess mit seiner schönen Interpretation der Musik seines Programms einen sympathischen Eindruck - und er schielt so nett ;-)))

Weiter ging es mit den Paaren. Hier führte das deutsche Paar, die amtierenden Weltmeister Aljona und Robin, und trotz zwei dicker Fehler bei den Wurfelementen, gewannen sie auch hier – denn auch die anderen machten Fehler. Zweite wurden die Russen, deren Kurzprogramm ich sehr schön fand, bei der Kür schieden sich jedoch die Geister – sei es nun das schreckliche Kostüm oder die theatralischen Einlagen. Helden des Abends waren jedoch die am Ende drittplazierten Kanadier, deren Kurzprogramm ich schon recht gut fand und die v.a. sehr sympathisch rüberkommen (muss an Kanada liegen...). Nach einem Sprungelement ca. 1.5 Minuten nach Beginn der Kür schnitt sich Craig Buntin bei der Landung an der Schlittschuhkufe von Meagan Duhamel in die Hand und sie mussten unterbrechen. Da in so einem Fall nur 3 Minuten Pause erlaubt sind, ansonsten werden sie disqualifiziert, haben die Sanis nur husch husch verbunden, also kein Druckverband oder so, und mussten ja auch die Finger frei lassen, und als das Paar zurück aufs Eis ging sah man bereits einen roten Fleck auf dem Verband. Dann dauerte es noch ewig bis die Deppen aus der Technik die richtige Musikstelle geufnden hatten wo sie wieder einsetzen mussten. Und es waren ja noch 3 Minuten der Kür zu laufen! Endlich ging es weiter, die komplette Halle feuerte die beiden an – aber es wurden die längsten 3 Minuten ever, jedes Mal wenn auf dem Monitor seine Hand zu sehen war war der Blutfleck grösser geworden und ein Aufstöhnen ging durchs Publikum. Erstaunlicherweise lieferten sie den Rest ihres Programms ohne Fehler ab. In den letzten 30 Sekunden gab dann der Verband nach und das Blut kam durch, verteilte sich auf dem Eis und dem Kostüm von Meagan. Drama!! Aber – es gab Bronze, und zwar kein Mitleidsbronze... Bei der Medaillenverleihung hatte Craig dann endlich einen dicken Druckverband drauf. Es musste genäht werden und es bestand der Verdacht dass er ne Sehne durchtrennt hat. Hier ein guter Bericht (engl.).
Die Damenkonkurrenz war dagegen eher schlecht, die 1. Gruppe ein Sturzfestival und auch die Top-Girls wie Mao Asada machten viele Fehler. Gewonnen hat schliesslich die Kanadierin Joanie Rochette.
Zum Abschluss die Tanzkür, wo die Plazierung wie so oft sehr vorhersehbar war. Super fand ich wie auch schon letztes Jahr (ich sage nur Stichwort schottischer Kilt) die Briten, obwohl der ein oder ander „cringe“ Moment dabei war, wenn man sich bei manchen sexy Einlagen plötzlich wieder daran erinnerte dass Sinead und John ja Geschwister sind. Ehem, wie auch immer, sie bekamen Bronze, Silber ging an die Italiener und Gold an die Fanzosen.
Gegen 23 Uhr war ich dann wieder im Hostel und fiel nur noch ins Bett. Nach dem Auschecken um 10.30 am Sonntag war nicht mehr wirklich genug Zeit noch etwas zu unternehmen da der Zug um 12.30 ging, also blieb es bei Supermarkteinkäufen, ein bisschen um den Bahnhof laufen und lesen.
Alles in allem ein gelungenes Wochenende! Vive la France...
Ganz unten ein paar Fotos aus Paris und vom Event – mit meiner Digitalkamera ist natürlich nicht viel zu machen was Sportfotos angeht aber die Spiegelreflex mitzuschleppen hätte sich bei nur zwei Tagen nicht gelohnt. Dafür hier ein paar Video –Links aus Bercy:
Preaubert FP http://www.youtube.com/watch?v=lry-6PJCnyY
Rochette FP http://de.youtube.com/watch?v=ucNOtI2unOM
AS & RS SP http://www.youtube.com/watch?v=LLHRKFR8560
Russen SP http://www.youtube.com/watch?v=4fYiYeTueFM
Der "scottish dance" der Kerrs vom letzten Jahr - weil's so schoen war in Goeteborg (und weil der Kilt so toll ist, hihi): http://www.youtube.com/watch?v=aHdBT9BWm9Y






Paris & Trophee EBC Nov 2008

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